Solar-Kiosk – die Zukunft beginnt in Ruandas Dörfern
Eine Produktion des Nelson Mandela Educational Centre (NMEC)

09.11.2010Wer das erste Mal nach Ruanda reist und am Flughafen Kigali ankommt, meint vielleicht, er sei in einer Stadt angekommen die Singapur nachstrebt. Eine gut ausgebaute Infrastruktur, eine fast 100%ige Abdeckung der Haushalte mit Stromanschluss. Jedoch leben ca. 85% der Bevölkerung Ruandas in der ländlichen Region, wo die Situation sehr viel anderes aussieht. Diese Dörfer haben nur einen begrenzten Zugang zum öffentlichen Stromnetz, der Energieversorger kann das lokale Netz nicht stabil und schnell genug ausbauen, jeder Haushalt muss den Anschluss voll bezahlen und es kommt aufgrund der schwachen Versorgung zum häufigen Ausfall des gesamten Netzes.

Seit langen stand die Idee, dass wir für diese Menschen aus den Dörfern eine Lösung finden, um sie mit Energie zu versorgen. So ist das Projekt eines Solarkiosks am NMEC entstanden. Dabei geht es konkret um die Versorgung der Haushalte mit elektrischem Licht, das Betreiben eines Radios und die Möglichkeit, Mobiltelefone aufzuladen. Gerade der Einsatz von Mobiltelefonen hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und birgt für die Menschen hier einen besonders hohen Stellenwert.

Geplant ist, dass ein Teil der Energie, die die 30kW Photovoltaikanlage der NMEC Schule produziert, in sogenannten Energieboxen gespeichert wird. Dazu dient eine 18 Ah Bleigel-Batterie. Ein Laderegler gibt Auskunft über den Ladezustand der Batterie und schützt vor Über- und Tiefenentladung. Nach Aufladen dieser Box kann eine Lampe, ein Radio oder ein herkömmliches Ladegerät für Mobiltelefone an die Box angeschlossen werden. Die gespeicherte Energie reicht aus, um einen Haushalt eine ganze Woche mit Strom zu versorgen.

Für die Dorfbevölkerung hieße dies: Sie haben eine eigene Stromversorgung und können demnächst auf Petroleumlampen und Kerzen verzichten. Und sie werden künftig Mobiltelefone kostengünstig aufladen und Radio hören können – ohne das weitere Kosten für Batterien entstehen.

Da die eigentlichen Solarmodule den teuersten Teil eines Solarsystems bilden, werden die Energieboxen direkt mit dem Solarstrom des NMEC aufgeladen. In der Zukunft besteht jedoch die Möglichkeit für den Dorfbewohner ein eigenes Solarmodul zu erwerben und in der Kombination mit der Box ein vollständiges Solarsystem zu besitzen. Beim Bau der Energiebox wurde darauf geachtet, größtenteils Materialien zu verwenden, welche direkt in Ruanda zu beziehen sind, um die lokale Wirtschaft zu stärken und die horrenden Transportkosten zu sparen.

Das Schicksal der afrikanischen Länder liegt in der Entwicklung ihrer Wirtschaft. Nur wenn sie den Sprung aus der reinen Subsistenz-Agrarwirtschaft in eine nachhaltig-selbstständige Volkswirtschaft schaffen, die auch die Verarbeitung der Agrarprodukte und Mineralien vornimmt, werden diese Länder den Anschluss an den globalisierten Weltmarkt schaffen.
Für eine Industrie gibt es zwei Grundpfeiler, die essentiell sind: Eine Verkehrsinfrastruktur (Straßen, Eisenbahnen) und eine Energie-Infrastruktur. Wir wollen mit unserem Solarkiosk einen kleinen Schritt gehen, um die Dörfer in den Markt einzubeziehen.

Neben der Technik stellt das Business Konzept die größte Herausforderung. Wenn sich diese Art der Energie Versorgung auch zukünftig durchsetzen soll, kann das nur funktionieren, wenn Investoren und Techniker ein ausreichendes Einkommen und Gewinne mit den Solarkiosk erzielen können. Um genaue Daten über den Verbrauch, die finanzielle Situation der Menschen und über entstehende Kosten zu erhalten, werden wir Anfang Dezember 2010 den ersten Solarkiosk als Prototyp am NMEC eröffnen und alle wichtigen Daten erhalten.

Zahlen, Daten, Fakten

Elektronische Bauteile Energiebox:

  • 18 Ah geschlossene Blei-Gel-Batterie
  • 3 W Lampe (12V)
  • 5A Laderegler
  • 2x KFZ Zigarettenanzünder Anschluss (für Stecker)

Verwendete Materialien Box:

  • Stahl L-Profil (Rahmen),
  • Mehrschichtholz
  • Alu-Blech

Das System ist komplett verschlossen, dadurch „wartungsfrei“ und für Kunden nicht zugänglich

Materialkosten einer Energiebox:

  • 68000 RWF (ca. 85€ inkl. Lampe & Handyladegerät)
  • Energie reicht für Lampe, Radio und Mobiltelefonladegerät 1 Woche

Daten vom Energieversorger:

  • Kosten für Hausanschluss einmalig 56000 RWF (ca. 70€)
  • Pro Lampe ca. 1000 RWF (1,30€) monatliche Stromrechnung

Business-Idee:

  • Einmalige Kosten für Kunden 45000 RWF (ca. 57 €)
  • Monatliche Kosten 2000 RWF (ca 2,50 €) für Laden und Verleih der Box
  • Nach 10 Monaten monatlich 1500 RWF (ca. 1,90 €)
  • Möglichkeit für 10 000 RWF (ca 13€) zusätzlich eine komplette Elektroinstallation vor Ort(Hausinstallation mit Schalter, Leitung & Lampenhalterung)

Tobias Reiner

 

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