„Solarenergie – ja bitte“
Grünhelme bringen Solaranlagen für Ausbildungszwecke nach Mauretanien

29.06.2011„Lasst mich nur machen“ meint Alhussein Sall, als wir vor den staubigen Toren des Hafens in Nouakchott stehen, um unseren Container aus dem Zoll zu holen. Drei größere Solaranlagen und fünf kleinere Solaranlagen für Ausbildungszwecke lagern hier irgendwo in einem 20 Fuß Container – irgendwo in diesem Durcheinander von verrosteten Containern, hektischen Leuten und stinkenden LKW. Die Luft ist stickig und heiß und Caspar und ich wissen, dass Alhussein natürlich Recht hat. Wir lassen ihn alleine das Hafengelände betreten, in der Hoffnung bald mit den eigentlichen Arbeiten beginnen zu können.

In den kommenden drei Monaten wird Caspar Wiik für die Grünhelme die Solaranlagen an verschiedenen Orten des Landes installieren und die Leute vor Ort schulen. Caspar kennt sich im Solargeschäft gut aus, denn schon bei seinem alten Arbeitsgeber hat er Solaranlagen technisch ausgelegt und weltweit verschifft. Sein jetziger Wunsch ist es, Solaranlagen nicht nur vom Schreibtisch aus zu begegnen, sondern ganz praktisch vor Ort zusammen mit der einheimischen Bevölkerung diese Anlagen aufzubauen.

Die erste Solaranlage installierten wir in den kommenden Tagen. Sie ist auf dem Dach eines Ausbildungszentrums der Caritas in Dar Nahim, in der Nähe von Nouakchott montiert. Der Strom aus dieser Anlage wird in Batterien gespeist, damit er auch nachts zur Verfügung steht. Mit ihm soll die Beleuchtung und einige Zusatzverbraucher der Ausbildungsstätte mit Sonnenstrom versorgt werden. Das erste Ziel ist aber nicht die Stromversorgung, denn Strom gibt es in Dar Nahim – zumindest zwischen den vielen Stromausfällen. Ziel des Projektes ist es vielmehr, das Wissen der deutschen Solarindustrie auch nach Mauretanien zu bringen. An der Berufsschule sollen neben Elektriker nun auch Solarteure ausgebildet werden können. Während der Aufbauarbeiten sollen die Studenten und Schüler mit einbezogen werden und den Aufbau einer solchen Anlage lernen. Salsa, ein großer Mann mit breiten Schultern ist für die Elektrikerlehre der Berufsschüler zuständig und begleitet uns auf Schritt und Tritt. Er soll später den Schülern das Wissen weitergeben.

Als nächstes wird Caspar nach Tufundé im Süden des Landes reisen, um eine weitere Solaranlage aufzubauen. Mit einer Größe von ca. 2 kWp versorgt diese ein Schwesternheim mit ausreichend Strom für Beleuchtung, Kühlung und Unterhaltungsmedien. Das Schwesternheim steht fernab jeglicher Stromversorgung und ist dankbar über jedes Solarmodul, das der Stromversorgung hilft. Die Aufbauarbeiten werden von Studenten der Caritas in Nouadibou begleitet, in der dann schließlich Ende Juli die dritte Solaranlage aufgebaut wird.

Mauretanien ist eines der ärmsten Länder Afrikas. So richtig bewusst wird mir das am letzten Abend, als wir von Alhussein, einem überzeugten Muslim und Sufist, zum Abendessen eingeladen sind. Vor seiner bescheidenen einstöckigen Behausung bekommen wir von seiner Frau ein leckeres mauretanisches Hühnchen zubereitet. Es ist dunkel und kalt, als wir schließlich in seiner Begleitung durch die unbeleuchteten Straßen zurückgehen. Trotz der Armut ist Mauretanien mit einer Sache reich beschenkt: Die Sonne strahlt etwa doppelt so viel Energie auf Mauretanien, als auf Deutschland. Trotzdem gibt es in Mauretanien kaum Solaranlagen. Dabei könnte man heute schon Strom aus den Solarmodulen günstiger produzieren als mit den Dieselgeneratoren, die hier an jeder Ecke stehen. Es ist einer der vielen Paradoxons, die wir in Afrika finden. Mit den drei Solaranlagen und den Ausbildungsstätten vor Ort hoffen wir, einen kleinen Beitrag Richtung Selbstständigkeit geleistet zu haben.

Fabian Jochem

 

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