Tag der humanitären Hilfe
Ein Anlass an unsere Verantwortung zu erinnern

Heute, am 19. August, ist der Internationale Tag der Humanitären Hilfe. Schon seit vielen Jahren von den Vereinten Nationen ausgerufen, als Würdigung der humanitären Hilfe. Auch wir Grünhelme möchten an diesem Tag allen Menschen danken, die sich nicht nur für die Grünhelme, sondern überall auf der Welt für andere Menschen in Not einsetzen – mit beherztem Eingreifen vor Ort oder mit finanzieller Unterstützung aus der Ferne. Doch darf bei aller Würdigung der humanitären Hilfe nicht vergessen werden, dass sie zumeist erst nötig wird, weil Politik und Diplomatie versagen.

Wir Grünhelme arbeiten aktuell in drei Ländern, die unterschiedlicher kaum sein könnten:

Im Senegal bauen wir an einer Sozialstation im Goldgräberdorf Bantaco im äußersten Südosten des Landes. Nicht nur aus dem Senegal, sondern auch aus den Nachbarländern strömen Menschen dorthin, auf der Suche nach einer besseren Zukunft, die sie sich durch einen größeren Goldfund erhoffen (Link zur Projektseite).

In Sierra Leone haben wir im Norden des Landes, in dem entlegenen Distrikt Falaba, vor wenigen Monaten die Erweiterung einer Schule gestartet, in der sich momentan 400 Kinder in zwei Klassenräume quetschen müssen (Link zur Projektseite).

Und im Libanon unterstützen wir nun seit mehr als einem Jahr Geflüchtete des syrischen Bürgerkrieges mit dem Bau von Dächern für ihre spartanischen Unterkünfte, mit Entwässerungen und Fenstern (Link zur Projektseite).

In den beiden westafrikanischen Ländern herrscht eine strukturelle Armut, derer die Politik der beiden Länder nicht Herr wird und über lange Zeit eben diese durch Korruption, Vetternwirtschaft und Misswirtschaft noch verstärkt hat. Zugleich sind die beiden Länder aber auch Opfer des historischen Kolonialismus und seiner heutigen Neuprägungen: Ausbeutung der Rohstoffe durch transnationale Konzerne, Überfischung der Küstengewässer durch europäische und asiatische Riesentrawler, sowie die Abhängigkeit von einem ungerechten und die Industriestaaten bevorteilenden Weltwirtschaftssystem.      

Der Libanon hingegen bekommt die Auswirkungen der bislang wohl größten Tragödie des 21. Jahrhunderts, des syrischen Bürgerkrieges, direkt zu spüren: Eineinhalb Millionen Geflüchtete müssen in dem kleinen arabischen Land seit nunmehr sieben Jahren zusätzlich versorgt werden, während das Assad-Regime mit seinen prominenten Unterstützern Russland und Iran die Heimat der Geflüchteten in Schutt und Asche legt und der selbsternannte Islamische Staat, als Produkt des völkerrechtswidrigen Irak-Einmarsches der USA, sein Terrornetz über ganze Städte und Dörfer ausbreiten konnte. Wobei die sogenannte westliche Welt dem Foltern und Morden seit Jahren mehr oder weniger tatenlos zuschaut.

Wir Grünhelme sind froh und stolz, dass wir so tolle, fleißige und mutige freiwillige Mitarbeiter*innen in unseren Projekten haben, die wertvolle Hilfe leisten und Solidarität vorleben. Wir sind beindruckt, dass wir vor Ort immer wieder auf große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der lokalen Bevölkerungen gegenüber Bedürftigen treffen. Wir sind dankbar, dass Sie, unsere Spender*innen, nicht tatenlos Zuhause hocken, sondern uns finanziell unterstützen und mental ermutigen, unsere Hilfe fortzusetzen.

Gleichzeitig sind wir aber auch tief erschüttert, dass es keine politischen Lösungen für die strukturelle Armut und die gewaltsamen Konflikte zu geben scheint. Dass wirtschaftliche und geostrategische Interessen die Armut und Konflikte hervorrufen, reproduzieren, verlängern, häufig gar verschlimmern. So möchten wir den heutigen Tag nutzen, an Regierungen und Politiker*innen – auch die deutschen – zu appellieren, sich stärker für internationale Konfliktlösungen und für Armutsbekämpfung einzusetzen, statt und Konflikte zu schüren Scheindebatten über Einwanderung und Asylrecht zu führen.  

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