Versorgung der hungernden Flüchtlinge in Somaliland
Erster Bericht von Rupert Neudeck

Fast alles ist anders als in dem alten chaotischem Somalia. War das Regime von Siad Barre noch eine typische Kalte Kriegssdiktatur, die 1991 zu Ende ging, so einigten sich die Stämme und Clans im Norden im gleichen Jahr, in den Grenzen des alten britischen Somaliland wieder zu existieren, als sog. Republic Somaliland. Fast zwanzig Jahre später ist daraus ein kleiner ehrgeiziger Staat geworden, dem allerdings etwas Entscheidendes noch fehlt: die Anerkennung der UNO Staatengemeinschaft und der Gemeinschaft der Afrikanischen Union. Wir hatten gleich nach Ankunft in Hargeisa einen Empfang beim Vizepräsidenten Abdurrahman Abdullahi Ismael sowie seinem besten Minister für Planung und Entwicklung Saad A. Shire.

Unsere beiden Somali-Grünhelme Abdulkarim Guleid und Ahmed Hassan übernehmen die Organisation unseres Versorgungsprojektes für die hungernden Somalis in Somaliland.

Ergebnis: Somaliland möchte seinen Beitrag leisten zu der Versorgung seiner Landsleute, hat aber wenig Mittel, um das zu tun. Das gesamte Budget beträgt 40 Mio US Dollar, das reicht vorne und hinten nicht fuer die Versorgung der Hungerflüchtlinge. Diese Flüchtlinge tauchen auch schon überall auf, in den drei grossen Städten Berbera, Hargeisa, Burao und in der Toghder Region. Man hat auch Sorge, dass es zu viele werden, und man dann aus eigener Kraft die Versorgung nicht schafft. Wir werden uns im Zentrum in Burao einrichten, um von dort aus den Einkauf der Nahrungsmittel zu organisieren und die Versorgungszentren einzurichten. Wir wissen jetzt schon, dass wir die Medikamente, die 75 Tonnen UNIMIX, die Kinderheilnahrung, die 2500 Decken von medeor, die Zelte nicht hier bekommen können, die müssen, wenn mit Flugzeugen, sonst mit Schiffen bis Bebera kommen.

Was wir nach dem ersten Augenschein schon sehen koennen: Das Land hat einen funktionierenden Seehafen in Berbera, zwei funktionierende Flughäfen, in Hargeisa landen Flugzeuge der alten Linien Daallo und Juba Air von Djibuti in 45 Minuten. Das sind alte klapprige russische Maschinen mit russischen Piloten, aber es geht. Was wir brauchen hier, neben Ahmed Hassan und Abdulkarim Guleid, zwei Bautechniker und einen Manager, die ein Versorgungscamp organisieren, zwei Krankenschwestern und/oder Krankenpfleger.

Die freundlichen Behörden hier, darunter an der Spitze der kluge umsichtige Innenminister, den wir gestern Abend nach dem Fastenbrechen sprechen konnten, Dr. Mohamed Abdi Gabose, suchen gleich nach mehr Entwicklung. Die alte deutsche Technische Schule (eine Arbeit der damaligen GTZ) in Burao ist total zerstört, man hat den unausgesprochenen Wunsch, in Somaliland etwas Ähnliches zu bekommen wie unsere NMEC in Ruanda. Als wir von dem Solarkiosk berichten, den das NMEC und seine Studenten und deutschen Lehrer entwickelt haben, fragt man uns, warum man den Solarkiosk noch nicht auf dem Markt in Somaliland hat?

Es hat sich einiges geändert, anderes ist gleich geblieben. Im Ankunftsbereich sehe ich ein Riesenschild: Lama OGOLA SIGAARKA & Qaadka. Das heißt auf Deutsch: Es ist nicht erlaubt hier zu rauchen und Khat zu kaufen. Das empfinde ich als sensationell. War das Khat kauen und damit Abtauchen in die Passivität der Somalis eine der Unarten, die damals in unserer Zeit bis 1992 so schädlich waren.

 

Posted in Somalia