Weniger ist mehr
Grünhelme installieren zweite Solaranlage auf dem Dach des Hauptgebäudes des Berges Daher

14.01.2014 Warum Palästinensern kaum geholfen werden kann und doch geholfen wird: Grünhelme installieren zweite Solaranlage auf dem Dach des Hauptgebäudes des Berges Daher von Daoud Nassar

Gut versorgte und moderne sog. Siedlungen (besser Kolonien) Israels entstehen vielerorts auf illegal konfisziertem Land der Palästinenser. Einheimische palästinensische Bauern dürfen daneben selbst nicht einmal Wasser sammeln , Strom beziehen, Zäune für ihre Tiere errichten, geschweige denn Zelte aufstellen oder Häuser bauen.
Wer diesen Schwierigkeiten trotzt, dem blockiert das Israelische Militär die Zufahrtsstraßen, so dass Bauern und Anwohner überhaupt nicht mehr zu ihrem Land kommen oder nur auf unvorstellbar umwegigen Nebenstraßen.

Weil ausserdem jedes unbenutzte Land nach 3 Jahren von Israelischen Siedlern beschlagnahmt werden darf, werden die Palästinenser ganzer Regionen systematisch ihres Landes enteignet.
Davon eingeschüchtert, verkaufen die allermeisten verzweifelten Bauern ihr Land kurz vor der Enteignung noch schnell freiwillig an Israelische Siedler, so dass der Landraub am Ende offiziell sogar noch legal über die Bühne geht.

Kaum jemand kann es sich noch leisten der permanenten Bedrohung standzuhalten. Die Familie von Daoud Nassar versucht es weiter. Zusammen mit seinen Geschwistern lädt er Menschen aus aller Welt auf die Farm ein, die schon vor fast 100 Jahren von seinen Vorfahren gekauft und landwirtschaftlich genutzt wurde. Daouds Urgroßvater kam aus dem, was man damals noch das Osmanische Reich nannte, heute dem Libanon und kaufte sich diesen Weinberg Daher. Nur weil sie jeden Versuch der Landwegnahme für viel Geld vor Gericht bringen, können sich die Geschwister noch gegen die unaufhörliche und kriminelle Siedlerei Israels behaupten.

Die GRÜNHELME haben sich schon vor ein paar Jahren für den beispielhaften Kampf der Familie Nassar stark gemacht und auf dem Berg der Farm eine erste Solaranlage gebaut, so dass dort nun auch ohne öffentlichen Strom gelebt und gearbeitet werden kann. Zur Freude der Besucher auf dem berg hat Daoud Nassar eine Tafel anbringen lassen, welche die einzigen Verse aus dem Neuen Testament enthalten, die auf eine Solaranlage hindeuten: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt nicht verborgen bleiben, die droben liegt auf dem Berge. Auch zündet man nicht eine Lampe (ein Solarpanel) an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter (das Dach), damit sie allen leuchtet, die im Hause sind. So leuchte euer Licht vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist“.
Wir haben diesen Gedenkstein (mit Matthäus 4. 14-16) immer wieder den Spendern geschickt, die durch ihre Spende das Licht auf dem Weinberg angezündet haben.

Da die Farm des sogenannten „Tent of Nations“ schon längst nicht mehr nur landwirtschaftlich genutzt wird sondern heute vor allem auch Begegnungsstätte für Besucher und Unterstützer aus der ganzen Welt geworden ist, haben die GRÜNHELME nun den Ausbau dieser Anlage finanziert – einen absichtlich sehr kleinen Ausbau, so dass die Israelischen Besatzungsbehörden nicht unnötig provoziert werden. Der Leiter des Weinberges und unser Freund Daoud Nassar, hat uns berichtet, dass seit der Installation der Anlage der Dieselgenerator nur in ganz wenigen Fällen noch benutz werden muss. Es habe 40.000 Euro Einsparung für den Berg durch den kompletten verzichte des Dieselgenerators gegeben.

Nun können die Angebote und Möglichkeiten für Besucher erweitert werden und immer mehr Menschen können Zeuge der berauschenden weiten Landschaft Palästinas sein und eines Projektes, das sich trotz feindseliger, aggressiver und bewaffneter Umgebung durch fünf Siedlungen die Gewaltlosigkeit und die Friedensliebe bewahrt hat. Man wünschte sich so sehr, einer der vielen Politiker, Abgeordneten, Minister, die dauernd ihre offiziellen besuche in Israel machen, würden mal den Berg besuchen. Ja auch der Pastor-Bundespräsident Gauck würde in der Höhlenkapelle des Berges von Daoud Nassar mal einen Gottesdienst anstimmen.

Für die Zukunft denken wir außerdem an den Bau einer schon lange geplanten Berufsschule für das Tent of Nations um den Israelischen Bulldozern noch mehr Beton und ausländische Aufmerksamkeit entgegen zu setzen. Auf Grund des Israelischen Bebauungsverbots ist gute Unterstützung auch hier am besten nicht sehr sichtbar. Vielleicht muss sie sogar im wahrsten Sinne des Wortes im Untergrund statt finden….

Till Gröner und Rupert Neudeck

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