Wer die Solaranlage zerstört, kann nicht Frieden wollen
Das Projekt der Grünhelme auf dem palästinensischen Weinberg Daher in höchster Gefahr

Das hätten wir uns nicht vorstellen können: Als wir am 3. Februar 2010 auf dem Weinberg Daher die von den GRÜNHELMEN gespendete und von Thomas Just und Fabian Jochem installierte Solaranlage eingeweiht und eröffnet hatten, hatten wir im Beisein des deutschen Diplomaten Schlaudraff aus dem deutschen Verbindungsbüro in Ramallah und des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages Ruprecht Polenz, einem TV-Team des ZDF und dem ARD-Hörfunkkorrespondenten Clemens Verenkotte sowie des Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung Peter Münch nicht nur die Solaranlage bewundert. Wir waren uns auch so sicher, dass das ein Ort der Zukunft ist für Israelis und Palästinenser, so dass wir hier noch eine weitere Initiative starten lassen sollten: Das „Nelson Mandela Vocational Centre“.

Dabei war auch der Leiter der altehrwürdigen Traditionsschule Talitha Kumi, Dr. Georg Dürr, der in seiner Rede versprach, diesen Plan ausdrücklich zu unterstützen.

Die Idee war, auf dem Berg zwei Lehrwerkstätten aufzubauen, ein Internat zur Unterbringung von palästinensischen Lehrlingen, ein Lehrerwohnheim, eine Mensa und einen Speisesaal. Wir wollten uns spezialisieren auf die Ausbildung von Elektrotechnikern, Solar-Technikern, Klempnern, Auto-Mechanikern, um der Jugend in Palästina neben der akademischen Karriere auch eine in den Berufen zu ermöglichen, die dem Lande in der Zukunft dienen kann. Zu diesem Zweck bin ich selbst noch einmal nach Palästina und Israel geflogen (6. bis 12. Mai) und habe mit Daoud Nassar schon erste Messungen auf dem Berg gemacht, wir haben ein Gelände ausgegrenzt, das für die NMVC, die Nelson Mandela Berufsschule gedacht und vorgesehen ist.

Der Abgeordnete Ruprecht Polenz (CDU Münster) hat den palästinensischen Premierminister Salam Fayad bei seinem Besuch in Berlin (18./19.05.) auf Einladung der Bundesregierung von diesem Projekt informiert und ihm einen Brief der GRÜNHELME übergeben.

Das alles will Israels Regierung zunichtemachen. Am 26. Mai nachmittags kamen Beamte der israelischen Zivilverwaltung in Begleitung von Soldaten der Israel Armee auf diesen friedlichsten Platz, den ich in Palästina kenne, um dem Besitzer des Berges, unserem Partner Daoud Nassar, eine in hebräischer Sprache ausgeschriebene Zerstörungsorder zur Unterschrift zu übergeben: Neun sog. ‚Gebäude’, die ohne ausdrückliche Genehmigung der Militärbehörde auf dem Berg entstanden waren, sollte Daoud Nassar selbst zerstören, andernfalls werden am Sonntag (30. Mai) die Bulldozer der Militärbesatzung diese Zerstörung vornehmen. Es handelt sich dabei um die Zelte, das Vordach vor dem einen schon existierenden Haus (mitsamt unserer Solaranlage!), die Tier-Ställe, die Wasser-Zisterne, zwei ausgebaute Höhlen auf dem Berg und einen Metall-Container, der nur auf den Berg gebracht und dort aufgestellt war als Büro des von der Bundeskanzlerin lobend erwähnten Begegnungsprojektes „Tent of Nations“.

Wir hatten am 29. März eine Antwort bekommen auf unseren Brief an die deutsche Bundeskanzlerin, in dem wir die Kanzlerin gebeten hatten, die guten Beziehungen zur Regierung in Israel für die Baugenehmigung für die Lehrwerkstätten zu nutzen.

In dem Brief heißt es: “Für die geplante Einrichtung einer Lehrwerkstatt mit angeschlossenem Internat rate ich Ihnen, auf Grundlage eines konkreten Projektvorschlages eine Baugenehmigung bei der israelischen Militärverwaltung zu beantragen.“ Und weiter heißt es: „Die Begegnungsstätte ‚Tent of Nations’ ist in der Tat ein bemerkenswertes Projekt, dem ich auch für die in Zusammenarbeit mit der Talitha Kumi Schule geplante Einrichtung zur beruflichen Bildung Erfolg wünsche“.

Die Grünhelme hatten am 26. Mai in Bielefeld eine Beratung mit der „Heimstatt für Tschernobyl“ Organisation von Dietrich von Bodelschwingh, der sich mit seiner Organisation für dieses Projekt bereit erklärt hatte. Nun hat die Israelische Behörde dieses Vorhaben erst mal tatkräftig gestört und behindert. Ob die Zerstörungs-Order noch aufgehalten werden kann?

Der Abgeordnete Ruprecht Polenz (selbst im Kuratorium der Grünhelme) hat sofort noch am 28. Mai in Briefen an den israelischen Botschafter Yoram Ben-Zeev und an den deutschen Außenminister Westerwelle um sofortige Intervention zugunsten des Projektes gebeten, das ausschließlich der Verständigung der Völker und dem Frieden diene.

Wie wir gestern von unserem Abgeordneten Polenz hörten, soll vom Auswärtigen Amt schon angeordnet sein: Intervention sowohl der deutschen Botschaft in Tel Aviv wie des Verbindungsbüros der Bundesregierung in Ramallah.

Eine Regierung, die sich zu solchen Zerstörungen in einer Zeit entschließt, wo sie nach der Kairo Rede von Präsident Barak Obama erst mal selbst mit dem Bau von illegalen Siedlungen Schluss machen sollte, will keinen Frieden.

 

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