Wiederaufbau in Nepal
Teil 2: Gespräche mit den Dorfbewohnern aus Phulpingkot

23.07.2016_TeaserAm Abend treffen wir uns mit Juna. Sie kocht Tee und bietet uns frisch geernteten Mais an. Wir kennen uns schon ein bisschen, weil sie jeden Abend für uns kocht und wir mit ihrer Familie zu Abend essen. Juna lebt als alleinerziehende Mutter in Phulpingkot – und arbeitet mit den Grünhelmen am Wiederaufbau ihres Dorfes.

 

Grünhelme (GH): Juna, wie alt bist du?
Juna (J): (Sie steht auf, wühlt in einer Tasche, schaut auf ihren Pass) Ich bin 35.

GH: Mit wem lebst du zusammen?
J: Mit meinen drei Kindern Rosana (12), Genish (10), Shisir (6) und dem kleinen Bruder meines Mannes, Subash.

GH: Wo ist denn dein Mann?
J: Er arbeitet seit sieben Jahren in Malaysia, aber er hat noch nie Geld geschickt – und ruft nie an.

GH: Das heißt, du kümmerst dich ganz alleine um deine Familie?
J: Ich glaube er hat eine neue Frau und eine neue Familie in Malaysia (ihr kommen die Tränen). Ich habe keine eigenen Einnahmen und nur ein ganz kleines Feld mit Mais. Es gibt nicht genug Geld. Jeden Tag habe ich Angst, nicht genug Essen für meine Kinder zu haben. Außerdem kann ich meinen Kindern alleine keine Ausbildung finanzieren.

GH: Wie groß ist deine Notunterkunft und wovor hast du am meisten Angst?
J: Unsere Hütte ist ungefähr 2,5 x 6,0 m und zwischen 1,50 bis 1,80 m hoch; draußen haben wir noch eine kleine Kochstelle. Ich habe Angst, weil es hier nicht sicher ist. Rosana wurde bei dem Erdbeben verschüttet, Subash hat sie aus den Trümmern gerettet. Beide wurden dabei verletzt. Wenn es regnet, ist das Dach aus Wellblech sehr, sehr laut. Außerdem dringt Regen durch die Löcher. Die Wände sind teilweise offen, Schlangen können hereinkommen. Dann weinen meine Kinder. Schon bei einem kleinen Beben wackelt alles.

GH: Du siehst sehr müde aus. Geht es dir gut?
J: Es geht! Ich habe einen niedrigen Blutdruck und muss für drei Monate Medikamente nehmen. Es lastet viel Druck und Verantwortung auf meinen Schultern.

GH: Worauf freust du dich am meisten, wenn dein neues Haus fertiggestellt ist?
J: Ich freue mich am meisten auf ein sicheres Haus! Außerdem leben wir seit über dreizehn Monaten in dieser kleinen Hütte. Das ist sehr eng für alle. Alles ist noch in Taschen verpackt. Die Kinder machen ihre Hausaufgaben auf dem Boden.

GH: Wie sah dein typischer Tagesablauf aus bevor das Grünhelm-Projekt startete?
J: Da kümmerte ich mich hauptsächlich um den Haushalt: Kochen, Grasholen für unsere Ziegen, Wäsche waschen und auf meine Kinder aufpassen.

GH: Wie sieht dein Tag jetzt aus?
J: Jetzt arbeite ich jeden Tag auf der Baustelle. Bei anderen Familien können sich die Eltern und älteren Kinder (Anmerkung: Nur Kinder ab sechzehn dürfen für die Grünhelme arbeiten) abwechseln. Es ist sehr, sehr anstrengend, aber ich halte durch und bin motiviert, weil es für mein eigenes Haus ist und für das Dorf.

GH: Was sind denn deine Aufgaben auf der Baustelle?
J: Die Männer erledigen die körperlich schweren Arbeiten. Wir Frauen tragen hauptsächlich das Material.“ (Anmerkung: Die Frauen tragen fünfzig Kilogramm schwere Zementsäcke weite Strecken durch das Dorf. Dies übertrifft häufig ihr eigenes Körpergewicht.) Trotz der Rollenverteilung, habe ich bereits gelernt, wie man ein sicheres Fundament und sichere Stützen baut.

GH: Was gefällt dir am besten am Projekt?
J: Gleichberechtigung im Dorf! Alle bekommen das gleiche Haus. Außerdem hätte ich alleine niemals die Möglichkeit gehabt, mir solch ein Haus zu bauen.

GH: Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
J: Ich freue mich auf den Umzug in das neue Haus und stelle mir vor wie wir in einem sicheren Haus leben. Für meine Kinder erhoffe ich mir eine gute Ausbildung. Und ich selbst kann vielleicht mein eigenes Geld und Geld für meine Familie verdienen, indem ich für andere Kleider schneidere.

GH: Danke für das persönliche Gespräch.
J: Ich danke den Grünhelmen und deren Arbeit.

Das Interview führte Lisa Emmler.

 

In der nächsten Woche wir unser Maurer und Vorarbeiter Tilak an dieser Stelle über sein Leben und die Arbeit mit den Grünhelmen berichten.

 

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