Wiederaufbau in Nepal
Teil 3: Gespräche mit den Dorfbewohnern aus Phulpingkot

29.07.2016_1Heute wollen wir euch das vorerst letzte Interview aus dem Dorf Phulpingkot vorstellen – diesmal mit Tilak. Mit ihm sprechen wir über seine Zusammenarbeit mit den Grünhelmen, erdbebensicheres Bauen, das Erlernen neuer Handwerkstechniken und das Arbeitsleben in Nepal. Tilak ist bei den Grünhelmen als Maurer und Vorarbeiter in Phulpingkot beschäftigt.

 

Das Interview führte Lisa Emmler.

Nach der Arbeit treffen wir uns mit Tilak und seiner Familie. Er ist etwas spät dran, weil er versucht, für unseren Tee Zucker im nächsten Dorf zu besorgen. Der kleine Laden hatte aber bereits geschlossen. In dieser Zeit bringt uns die Frau seines Bruders Tee und Kekse vorbei.

Grünhelme (GH): Guten Abend, Tilak! Magst du dich und deine Familie kurz vorstellen?
Tilak (T): Ich bin Tilak Bahadur Nepali, 28 Jahre alt. Das ist meine Frau Yashid (22 Jahre) und unsere beiden Kinder Unish (7) und Unisha (1). Ich bin hier in Phulpingkot geboren und aufgewachsen. Meine Frau kommt aus einem anderen Dorf. Ich habe drei Brüder und zwei Schwestern.

GH: Wie können wir uns deine Kindheit vorstellen? Wir haben gehört, dass du damals für die Maoisten gekämpft hast?
T: Mein Vater ist gestorben als ich acht war, deswegen kann ich auch nicht lesen und schreiben. Mit siebzehn wurde ich gezwungen, in der Revolution für die Maoisten zu kämpfen. Sie haben mir Schläge angedroht und mich mit einem Messer in Angst versetzt.

GH: Du hast bereits viel erlebt. In was für einem Haus hast du vor dem Erdbeben gelebt?
T: Zwei Jahre vor dem Erdbeben habe ich mir und meiner Familie ein kleines Haus gebaut. Für manche Arbeiten musste ich andere Arbeiter bezahlen und einen Kredit aufnehmen.

GH: Du hast dein Haus fast alleine gebaut? Was hast du für einen Beruf?
T: Ich bin Maurer.

GH: Wie lange denn schon? Wo hast du das Mauern gelernt?
T: Vor neun Jahren bin ich nach Kathmandu gegangen. Dann habe ich erstmal drei Jahre lang als Hilfsarbeiter gearbeitet und hauptsächlich die schweren Sachen auf der Baustelle geschleppt.

GH: Hat dir denn jemand das Mauern beigebracht?
T: Ich habe mir alles selbst beigebracht, weil mir keiner etwas zeigen wollte.

GH: Worin liegt der Unterschied zwischen der Arbeit in Kathmandu und der Arbeit mit den Grünhelmen?
T: In Kathmandu musste immer alles schnell, schnell gehen und die Vorabeiter waren sehr streng. Sie haben mir nichts erklärt. Jetzt kann ich mein eigenes Haus bauen und die Häuser der anderen Dorfbewohner. Endlich kann ich den anderen Dorfbewohner etwas mit meinen Fähigkeiten zurückgeben. Ich bin sehr arm, weil ich keine Felder habe. Wenn das Essen mal knapp wird, helfen mir die anderen oder geben mir Zucker für den Tee. Jetzt kann ich mich durch meine harte Arbeit revanchieren!

GH: Du strahlst so!
T: Ja, ich hätte niemals gedacht, dass ich den Job als Maurer von den Grünhelmen bekomme. Das macht mich sehr glücklich. Ich kann mein Dorf beim Wiederaufbau unterstützen und lerne neue Techniken.

GH: Was hast du denn dazu gelernt?
T: Jetzt weiß ich, wie groß erdbebensichere Fundamente und Stützen sein müssen. Außerdem habe ich eine neue Technik gelernt, um die Fenster im 90° Winkel in die Wand zu setzen. Ein bisschen konnte ich aber auch an Hari (Anmerkung: angestellter Maurer aus einem anderen Dorf) von meinem Wissen weitergeben (Tilak grinst).

GH: Was ändert sich jetzt für dich?
T: Ich habe jetzt die Verantwortung, erdbebensichere Häuser zu bauen und mein Wissen an andere weiterzugeben. Deswegen freue ich mich über alles, was ich dazulerne.

GH: Was wünschst du dir für deine Zukunft?
T: Mein größter Wunsch geht gerade in Erfüllung: Mein eigenes erdbebensicheres Haus!
Wenn meine Kinder groß sind, wünsche ich mir außerdem eine gute Ausbildung für die beiden. Ich will nicht, dass sie so hart arbeiten müssen wie ich.

GH: Danke für die spannenden Einblicke in dein Leben.
T: Nein, ich muss mich bedanken. Danke für alles!

Wollt auch ihr Mitarbeiten und uns bei der Ausbildung lokaler Fachkräfte unterstützen?

Dann Bewerbt euch unter: https://gruenhelme.de/mitarbeiten-blank/mitarbeiten

 

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