Wir gratulieren!
Zobair Akhi und seiner Frau Dunja zu den heute geborenen Zwillingen

Wir wissen schon gar nicht mehr genau, sind es jetzt schon vier Jahre oder gar fünf Jahre, dass „unser“ Zobair Akhi in Afghanistan für die GRÜNHELME arbeitet? Der Grund, deshalb wir uns erinnern wollen: Er ist heute – Donnerstag, den 20. Mai – Vater von Zwillingen geworden. Allerdings ist er verständlicherweise zu diesem Ziel erst mal zu seiner Frau Dunja nach Heidelberg gekommen, um bei der Geburt dabei zu sein.

Die Grünhelme gratulieren zu diesen ersten Zwillingen in ihrer kleinen Geschichte. Wir gratulieren mit großer Kraft und Überzeugung: Denn einen solchen langen Atem bei der Arbeit und dem Bau von Schulen hat bisher nur der deutsch-afghanische Bauingenieur Zobair Akhi gehabt, der das alles von Herat aus und mit Hilfe seiner Frau Dunja macht. Er hat große Kämpfe mit der afghanischen Bürokratie, den Ministerien und z.T. korrupten Beamten ausgefochten, aber er hat nie den Mut verloren. Diejenigen, für die er die Schulen, das Hospital und jetzt auch noch den Skateboard-Park gebaut hat im Distrikt Karoq, sind ihm immer mit dem Respekt und einer ganz großen, überschäumenden Dankbarkeit begegnet. Manche wollten, dass das Ministerium in Kabul das Geld für den Schulbau den Grünhelmen gibt, denn nur so bekämen die Dörfer auch Schulen. Ohne die Grünhelme wäre der Distrikt Karoq nicht schul-fertig geworden.

Wir besinnen uns noch auf die Rekrutierungssamstag, an dem er bei uns im Kreis in der Kupferstrasse 7 in Troisdorf saß. Bescheiden, eher ein wenig zu schweigsam, obwohl er doch vorzüglich deutsch sprach. Wir waren damals skeptisch. Denn wir hatten in der Provinz Herat mit dem Bau von Schulen in dem Distrikt Golram angefangen, und da saß jetzt der junge deutsche Afghanen mit dem total richtigen Beruf und sagte, er sei aus Herat und seine Familie mitsamt dem Vater und mehreren Geschwistern leben dort auch weiter. Und die würde er auch dort besuchen. Da schrillen bei guten Rekrutierern, für die wir uns halten, erst mal alle Alarmglocken: Was, wenn der Kerl nur die Reise bezahlt bekommen will und die Mehrzahl der drei Monate und 90 Tage zuhause am Küchentisch seiner Familie sitzt, die ja in Afghanistan auch immer eine Großfamilie ist??!!

Dass diese Sorge völlig unbegründet war, wurde uns schon kurz nach Ankunft in Afghanistan klar. Zobair ist ein Mann der besonders ernsthaften Sorte und Haltung. Er fühlte sich verpflichtet, nach Afghanistan zu gehen um etwas wieder gutzumachen, etwas zurückzugeben oder zurückzuzahlen mit seiner Arbeit. Denn er hatte die schlimmsten Kriegs- und Taliban- Jahre in dem wohlhabenden Rechts- und Sozialstaat Deutschland und dann noch in Heidelberg zugebracht.

Das hat er dann, wie vorgesehen drei Monate gemacht, und er ist dann da für uns geblieben, wir haben ihn dann angestellt bei den Grünhelmen. Er hat 18 Schulen gebaut von den nunmehr 32, er hat auch das Entbindungskrankenhaus in Qara Bagh und jüngst (April 2010) auch die Skateboard-Betonbahn gebaut. Er ist all die Jahre, als es immer schwieriger und auch – gefährlicher wurde in Afghanistan dort für die GRÜNHELME geblieben. Irgendwann fiel es ihm natürlich auf, dass für seine dortige Familie (einen anderer zweige der Familie lebt in Deutschlands unumstritten schönster Stadt Heidelberg) es merkwürdig war, dass der Zobair Akhi immer noch ein Einzelgänger war. Also ist er dann nach reiflicher Selbstprüfung „in den Stand der Ehe eingetreten“.

Viele Grünhelme haben seine Frau Dunja mit den großen leuchtenden Augen kennengelernt. Sie bekamen ein erstes Kind, das in Herat zur Welt kam: Sofializa. Zobair hat auf der Grünhelme Website darüber berichtet, wie furchtbar die Ungleichbehandlung nicht nur von Männern und Frauen, sondern auch von neugeborenen Jungens und Mädchens in Afghanistan Kliniken und der Gesellschaft immer noch ist. Nur ein Mädchen, dafür braucht man doch keine großen Anstrengungen machen, denn wenn ein Mädchen frühzeitig als Baby stirbt. Was soll’s. bei einem Jungen wäre das schon sehr viel anders. Sofializa wurde geboren, sie ist jetzt schon über drei Jahre. Jetzt hat Sofializa zwei Geschwister auf einmal bekommen.

Wir gratulieren nach Heidelberg mit allen Anzeichen unserer großen Freude. Wir hoffen, mit unserem Zobair Akhi noch große Dinge tun zu können, in seinem Land und seiner Provinz wie möglicherweise auch woanders.

HAPPY BIRTHDAY!

 

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