Wir trotzen der Regenzeit

14.09.2018_01Zweieinhalb Monate nach der Grundsteinlegung nimmt unsere Schule in Sierra Leone Formen an. Im Norden des Landes, im abgelegenen Distrikt Falaba, nur wenige Kilometer von der guineischen Grenze entfernt, erweitern wir Grünhelme eine Grundschule im Dorf Gbentu. Hier sollen in Zukunft rund 400 Kinder Platz finden. Die alte Schule besteht lediglich aus zwei Klassenräumen, die aus allen Nähten platzen.

Gbentu ist ein sehr abgelegener Ort. Die Straße in das rund 4.000 Einwohner*innen umfassende Dorf kann eigentlich nicht als solche bezeichnet werden. Der etwa 50 Kilometer lange Weg von der Distrikthauptstadt Kabala ist schon in der Trockenzeit eine Herausforderung. In der jetzigen Regenzeit mit ihren heftigen Schauern wird eine Fahrt über die hügelige, unasphaltierte Straße allerdings zu einem Kampf gegen Schlammmassen und reißende Bäche. Entsprechend schwierig gestaltet sich der Transport von Baumaterialien.

Deshalb greifen wir viel auf lokale Materialien zurück. Sand wird aus den angrenzenden Flussbeeten und Gräben geschüppt, die Natursteine von Wegesrändern aufgesammelt und das Bauholz stammt von schnell nachwachsenden Bäumen aus den nahen Wäldern. Allerdings müssen Zement und Baustahl aus Kabala angeliefert werden. Weil die Strecke für Lastwagen bei den derzeitigen Wetterbedingungen zu gefährlich ist, muss unsere Lieferantin auf wendige Allradfahrzeuge ausweichen. Für uns bedeutet das: Viele kleine Lieferungen.

Trotz des Wetters geht es auf der Baustelle gut voran. Meist kommt nach einem Schauer schnell die Sonne wieder heraus. Mittlerweile sind die Mauern der ersten drei Klassenräume hochgezogen, die Bodenplatten betoniert und auch die umlaufende Veranda mit ihren charakteristischen Natursteinen wächst. Gleichzeitig wird eifrig an den Dachbindern gezimmert.

Kürzlich haben außerdem die Arbeiten an den beiden Gebäuden begonnen, in denen künftig acht Lehrer*innen untergebracht werden können. Oft kommen die Lehrkräfte nämlich aus anderen Städten oder Dörfern. Jedes Zimmer wird eine Größe von knapp 14 Quadratmetern haben.

Die Dorfgemeinschaft in Gbentu ist stark in das Bauprojekt eingebunden. Jeden Morgen füllen die Frauen unseren großen Baustellenwassertank. Außerdem haben wir regelmäßig einen sogenannten Community Day. Das bedeutet: Das ganze Dorf packt mit an. Für uns sind diese Gemeinschaftsaktionen außerordentlich wichtig, da sie die Grundidee des Miteinanders unterstreichen.

Unser festes Baustellen-Team besteht mittlerweile aus 18 lokalen Angestellten. Viele der Arbeiter konnten neue Fähigkeiten dazu lernen, den Umgang mit einer Säge etwa. Einige besaßen auch schon vor ihrem Einsatz auf unserer Baustelle viel Fachwissen. Einer unserer Maurer, Ousman, zum Beispiel. Er lernt weitere Männer beim Mauern an. Die Stimmung auf der Baustelle ist herzlich und ausgelassen. Die Arbeiter bekräftigen immer wieder, wie gerne sie Teil des Teams sind. Deutlich spürbar war der Teamgeist auch während eines Fußballspiels, das wir Grünhelme gegen einige Jungs aus dem Dorf ausgetragen haben. Für die Angestellten ist die Arbeit bei uns eine gute Gelegenheit, Anerkennung in der Gemeinschaft zu erhalten, weil sie eine Schule für die Kinder im Ort bauen. Gleichzeitig bietet das Projekt ein regelmäßiges Einkommen. Viele der Arbeiter haben selbst Kinder, die einmal auf die Schule gehen sollen, die wir bauen. Mittags versorgen unsere drei Baustellenköchinnen die Angestellten und uns mit Reis und gekochten Maniokblättern oder Erdnusssuppe.

In der kommenden Woche endet die Ferienzeit und das neue Schuljahr beginnt. Die neuen Klassenräume werden dann zwar noch nicht fertiggestellt sein, aber wir sind auf dem besten Weg, dass zum Jahresende der Umzug ins neue Gebäude stattfinden kann. Die Schulbänke sind schon bei den fünf Schreinern in Gbentu in Auftrag gegeben.

Wir Grünhelme danken allen Spender*innen und Unterstützer*innen für ihren Beitrag zu diesem Projekt. Weitere Fotos und Videos gibt es auf unserem Instagram-Kanal.