Wird Syrien in Frieden Weihnachten feiern können?
Erste Schule in Azaz wieder fertig für den Beginn des Unterrichts

16.11.2012Die beiden Syrer Grünhelme, Bernd Blechschmidt und Dr. Saru Murad sind weiter auf dem vorgeschobenen Posten in Azaz. Es wird Zeit, wieder etwas zu berichten. Sie erlebten in diesen Tagen einen Deserteur, einen Überläufer aus der Regierungsarmee aus Aleppo. Der Betonbauer, der an der Reparatur der ersten Schule mitbeteiligt war, ist ein Verwandter dieses Überläufers und hat mit der Familie diese länger geplante Flucht arrangiert. Nach dem Namen des Deserteurs haben wir nicht gefragt, um die Nervosität nicht noch zu verstärken; wir nannten ihn einfach Mohammed.

Der Betonbauer hatte das alles mit der Freien Syrischen Armee F.S.A. abgesprochen, so dass der Überläufer keine Angst haben musste. Kontakt nahm Mohammed zu seiner Familie per Handy auf, allerdings nicht per SMS. Die Nachrichten werden auf dem Handy gespeichert und das Handy dann aus der Regime Zone zur Familie gebracht. Die Angst vor dem immer noch gut funktionierenden Geheimdienst sei einfach zu groß. Als es dann in Aleppo losging, war er mit zwei Freunden auf der Flucht, vorher waren die Checkpoints bestochen worden, dann ging es durch das ganze Gebiet der Straßensperren bis nach Azaz.

Mohammed gehörte zum Geheimdienst der Luftwaffe. Seinen Angaben zufolge konzentriert sich das Regime jetzt darauf, die Industrie in Schutt und Asche zu legen. Mohammed hatte Kontakt zu den paar Großindustriellen in Aleppo, die ihr Schicksal sehr gelassen nahmen. Sie meinten, die Zerstörung seien weniger das Problem, sie hätten genug Finanzen beiseitegelegt, um alles in einem Jahr wieder aufzubauen, wenn Assad endlich gestürzt ist. Es wenden sich immer mehr Soldaten von Assad ab, hauen einfach ab.

Unsere Schulen:

Die Grünhelme haben sich entschlossen die Schulen nach der Rehabilitation nicht mit Öfen auszustatten. In den anderen Schulen, die wir besichtigt haben, werden die Öfen nicht genutzt. Das Öl ist zu teuer. Ein Liter kostet ein Euro. Wir haben allein in der von den Grünhelmen rehabilitierten Schule 18 Klassenräume, die zu beheizen sind. Ein Ofen verbraucht fünf Liter am Tag, wenn es richtig warm werden soll. Das würde bedeuten, 600 Euro pro Woche Schulbetrieb, das kann hier niemand zahlen und Spender sind kaum in Sicht. Allerdings könnte – so unsere beiden Grünhelme – sich das Blatt auch noch mal wenden, angeblich sollen die syrischen Ölfelder gelohnt haben.

Die Schulen werden mit neuen Whiteboard Tafeln ausgerüstet, d.h. die alten beschädigten Kreidetafeln werden beschichtet. Wir haben noch zwei weitere Schulen, die wir in Azaz reparieren und rehabilitieren. „Ibn Zidou“ und „Hamid Hannan“. Wir setzen die zerstörten Glasscheiben ein und glasen den Fensterrahmen. Außerdem haben wir für beide Schulen Reinigungsmittel für die Reinigung der Toiletten besorgt und zur Verfügung gestellt.

Wir brauchen jetzt doch noch einen, besser zwei Ärzte, weil die Zuverlässigkeit der Zusagen nicht sehr groß ist. Dr. Anas von unserer Klinik hat uns bereits gebeten, doch einen Chirurgen, eine Frauenärztin zu schicken. Wenn wir denn jemanden hier übrig haben.

Mittlerweile haben wir ja die große Hoffnung, dass es bis Weihnachten oder besser noch bis zur Adventszeit zu einem Ende der schrecklichen Bombenangriffe kommt und damit auch zu einem Ende der Gewalt. Dass sich die Übergangsregierung durchsetzt und dem Land und dem geplagten und gequälten Volk eine Richtung weist.

 

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