YES AFRICA YOU CAN
Zur Eröffnung der ersten afrikanischen WM in Johannisburg

Wir werden in den nächsten Wochen sehr viel über das andere Süd-Afrika und damit auch über das andere Afrika lernen und erleben können. Wir werden zwei Xhosa Worte kennenlernen: LADUUUUUma ist das eine. Da muss man das UU so lange ziehen, dass man Sorge bekommt, dass es gar nicht wieder aufhört. Das ist das Xhosa Wort für „Tor“. Sao ein langes O haben wir gar nicht. Als Zimmermann damals 1954 in Bern seiner Begeisterung über das dritte Tor der deutschen Nationalelf von Helmut Rahn nicht mehr Herr werden konnte, schrie er nur: TOR, TOR, TOR…

Und wir werden das Wort Vuvuzela lernen, das ist diese Alpenhornlange Tröte, die ganze Stadien in einen rauschhaften Hexenkessel verwandeln können. Das Fest wird ein großes werden, weil es noch stärker uns faszinieren wird, als die deutsche WM da s tat. Die WM bei uns hat ja schon ein ganz anderes, fröhliches Bild der Deutschen gegeben, dieses Volkes, das immer in Tiefen und Untiefen taucht, um nur ja nicht oberflächlich fröhlich zu sein. Dieses Klischee hat die 2006 WM aufgedröselt und zerstört. Diese WM wird das Bild von Afrika als des einzigen Kontinents, der nichts zustande bringt, dementieren.

Es wird aber auch den Anschluss beschleunigen, den der Kontinent und die Südafrikanische Republik an den Weltmarkt brauchen. Bis heute ist der Kontinent gerade mal mit 2,6 % an dem globalisierten Welthandel beteiligt. Wenn man allein den Wirtschaftsgiganten Südafrika aus dieser Statistik herausnimmt, sind es weit weniger als 1 %.Das könnte sich in Zukunft ändern.

Diese große Menschheitsbegegnung, wie man sie noch nie erlebt hat, wird uns alle verändern. Es wird das Afrika nach der WM nicht mehr das alte vor der WM sein. Hinter die Tatsache, dass die Afrikaner, in diesem Fall die Südafrikaner ein solches Unternehmen stemmen, kann nicht mehr zurückgegangen werden. Das wird eine gewisse ökonomische Emanzipation für den Kontinent bringen. Das wird bitter nötig werden, denn während der Anteil am globalisierten Weltmarkt gesunken ist von 7,2 % im Jahre 1950 auf 2,6 % heute (2010), wächst die afrikanische Bevölkerung schwindelerregend auf die erste Milliarde zu. Der Anteil an der Menschheit besteht in diesem Jahr noch bei 8.9 % und wird für 2050 auf 15 Prozent geschätzt. Die Werte, die uns Afrika vermitteln kann, sind Werte, die bei uns auf dem absterbenden Ast hängen: Familienzusammenhalt, Respekt vor dem Alter, das Sorgen für die eigenen Alten, die Ujamaa- und Umuganda-Philosophie, das Arbeiten für die Gemeinschaft, das wir von Ruanda und von Tansania kennen.

Afrika hat einen guten Platz für die beste afrikanische Mannschaft verdient. Wir Deutschen haben mit dem Schwung im Rücken nach dem Sieg 1954 in Bern das Wirtschaftswunder geschafft. Yes, Africa You can – kann man und soll man in Abwandlung des schönsten Slogans der letzten Jahre sagen. Selbst wenn wider Erwarten keine afrikanische Mannschaft unter den letzten vier sein wird: Afrika wird nicht nur den Fußball verändert haben, es wird auch die Vorstellung von Freude und Ausbruch an Begeisterung völlig neu erleben lassen in unserem alten griesgrämigen Kontinent.

Noch lange ist Afrika nicht verloren. Bei der Weltmeisterschaft wird es wiedergeboren.

 

Posted in Mitteilungen