Zurück im Schwarzwald
Aus dem Schulprojekt in der DR Kongo zurück nach Deutschland

26.08.2010_1Nach drei Monaten in Afrika, am Ende der Welt bin ich wieder zurück im Schwarzwald. Ende Mai ging es über Ruanda in die Provinz Süd-Kivu, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Zusammen mit Thomas Just vom Vorstand der Grünhelme suchten wir einen Ort für den zweiten Bau einer Schule in dieser Provinz aus. Ich bin in einem Dorf am Rand des Schwarzwaldes groß geworden und es war für mich schön, dass wir uns für ein Urwalddorf entschieden.

Kibe liegt nach mehr als 200 km Piste im Südwesten der Grenzstadt Bukavu. Durch eine wunderbare Landschaft mit großen Bergen und immer dichterem Urwald geht es vom Kivu-See erst hinauf, auf 2000 m Höhe. Kamituga, die nächste größere Stadt mit gut 150.000 Einwohnern und einem Krankenhaus mit Technikern und Ärzten von Cap Anamur ist Anlaufpunkt für Einkäufe und bei gesundheitlichen Problemen. Von dieser Stadt in 1500 m Höhe geht es steil hinunter an den Rand des Kongobeckens. Nach 25 km und 40 Minuten Fahrt erreicht man das Dorf, am Ende der Welt. Die Nationalstraße No. 2 Bukavu – Kinshasa ist kurz hinter Kibe unterbrochen. Eine Brücke ist eingestürzt und die Versorgung flussabwärts nur noch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Moped über eine schaukelnde Hängebrücke möglich. Die alte Schule am Fluss sieht von weitem malerisch aus, windschiefe Lehmhütten mit Palmblättern als Dachbedeckung. Die Gebäude sind aber in einem jämmerlichen Zustand.

Die Hitze ist drückend und durch die hohe Luftfeuchtigkeit ungemütlich. Erst nach mehreren Wochen war ein Häuschen im Dorf für uns einzugsbereit. Erst lies die Sicherheitslage den Umzug nicht zu, dann musste erst einmal renoviert werden. Solange mussten wir täglich zum Schlafen nach Kamituga in eine Pfarrei mit dem Luxus einer Dusche, fließendem Wasser und ( fast immer ) Strom in jedem Zimmer. Als es endlich soweit war und mein Kollege und ich ins Dorf ziehen konnten, wurde er krank und musste nach Deutschland zurück.

Ich wollte für ein paar Wochen die Stellung alleine halten, wurde nach einer Woche aber auch „afrikanisch“ getauft und lag mit Malaria 14 Tage in der Pfarrei in Kamituga. Gesund wieder zurück im Dorf, konnte ich auch schon bald einen Zweiten für unser Projekt in Ruanda abholen, Markus, einen jungen Mann aus meiner Stadt. Mit neuem Elan ging es wieder an die Arbeit. Ich war durch unseren Sohn, der schon eineinhalb Jahre für die Grünhelme in Afrika tätig war, gut vorbereitet und doch gab es immer wieder Erstaunen. Drei Monate am Ende der Welt. Wir waren auf der Baustelle täglich zusammen, wir “Weiße“ haben mitgearbeitet, was für die Einheimischen ungewohnt war. Wo schleppt sonst ein Weißer in Afrika einen Zementsack?

Anders als bei vielen Hilfsorganisationen haben wir nicht in „sicheren“ Hotels in den großen Städten gewohnt. Wir waren bei den Leuten, zuerst in der Stadt und dann im Dorf. Dieses Zusammensein war aber für uns und die Leute aus Kibe für das gegenseitige Verstehen wichtig. Für mich war die Gefahr auf diesen abenteuerlichen Pisten potentiell größer als die Gefahr von den Rebellen im Süd-Kivu bedroht zu werden. Ich hoffe unsere Arbeiter haben uns als ganz normale Menschen erlebt. Menschen mit neuen Ideen aber auch der Bereitschaft, auf ihre Wünsche einzugehen und ihr Potential an Erfahrung und Wissen zu nutzen. Geduldiges Erklären, andere Denkweisen aber auch konsequentes Durchsetzungsvermögen und Ärgern, wenn es um die Belange des Schulbaus ging, war manchmal schwierig. Eine Wand mit ein paar Zentimetern Schräglage ist in Kibe normal, bei uns nicht! Was konnte ich mitnehmen? Einen ganzen Koffer voll neuer Erfahrungen!

Das Bewusstsein für eine Hilfsorganisation tätig zu sein, die uns, weitab im Regenwald, ohne Handyempfang, vertraut. Die Gewissheit bei großen Problemen nicht alleine gelassen zu werden. Das Feedback aus Deutschland während meines Aufenthaltes in der Pfarrei in Kamituga mit Malaria war wunderbar.

Die Möglichkeit mitten in einem Dorf im afrikanischen Regenwald so zu leben wie dort die Menschen leben, den afrikanischen Alltag zu erfahren mit allem, den Freudenfesten; Taufe, Hochzeit, dem Leid beim Tod eines Kindes, den Krankheiten, den vielen Skorpionen im Haus, der Dämonenaustreibung in nächster Nähe, der Initialisierung der Jungen aus dem Dorf beim „Teufel“ im Urwald und der eintönigen ostkongolesischen Küche, die dank unser Köchin Jeanne außergewöhnlich gut war.

Weder als Tourist, noch beim Übernachten in den Hotels der Städte weitab von diesem Urwald, bieten sich solche Gelegenheiten. Für mich war es ein gutes Geben und Bekommen. Ich hoffe der Bau dieser Schule schreitet weiter gut voran. Dank an: die Grünhelme, an die fürsorglichen und auch stolzen Menschen im afrikanischen Urwald, die uns so freundlich aufgenommen, beschützt und auch in schwierigen Situationen ertragen haben.

Ich glaube, wir haben voneinander gelernt und uns gegenseitig helfen können und das war mein Ziel und auch das der Grünhelme.

Es ist gut nach 3 Monaten auch voller Entbehrungen zu Hause von meiner Frau in die Arme genommen zu werden, mit diesem Koffer voller Erfahrungen und Eindrücken und der Gewissheit, dass die Grünhelme eine vernünftige „Entwicklungshilfe“ betreiben. Das Geld der Spender ist hier nachhaltig angelegt – Danke!

Peter Sachse

 

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