Zwei wandernde Zimmerleute im Kongo
Martin Mikat und Moritz Plassmann bei der Arbeit in Kamituga und in Lubemba

Man erkennt sie in Deutschland an ihrer Kluft mit dem breitrandigen Hut, der fast an Cowboy- und Wildwestträume unserer Kindheit erinnert, die kräftigen Schuhe, die schwarzen Hosen. Eine Kluft, die so gar keine Uniform ist, sondern eine Arbeitskluft. Die auf der Waltz sind, auf Wanderschaft, das sind junge Zimmerleute unter 30 Jahren, die freiwillig auf etwas verzichten, was eigentlich dem Zeitgeist durchaus zuwider läuft: Wer verzichtet schon auf etwas, worauf er Anspruch hat? Sie legen sich für drei Jahre und einen Tag eine Disziplin zu, die man sonst nur von katholischen Klöstern her kennt. Sie verpflichten sich, mit nur 5.- Euro loszugehen, zu wandern oder per Anhalter zu fahren. Für sie gilt eine Bannmeile von 70 km um ihre Heimatgemeinde herum, die sie nicht betreten dürfen. Sie haben kein Handy, keine Kommunikation, keine feste Bleibe.

Eigentlich, so sagten wir uns, sind diese fahrenden Gesellen – die nach der Lehre und dem Gesellenbrief diesem Handwerksverbund beitreten können – geborene GRÜNHELME. Denn was brauchen wir Besseres und Gediegeneres als solche relativ bedürfnislosen starken Arbeiter, die sich an das Bauen auch in fremden Völkern und Kulturen heranmachen?

Martin Mikat war der allererste, den die Grünhelme fanden, als wir uns im Jahre 2010 auf die Reise in das Überschwemmungsgebiet von Pakistan machten. Er hat dort die jungen pakistanischen Mitarbeiter mit seiner einfachen und freundlichen Art gewinnen können. Er hatte keine Schwierigkeit, im Pakistan-Projekt auch einen Monat allein mit den einheimischen Mitarbeitern auszukommen. Jetzt haben wir ihn noch bis zum 10. April in unserem Kongo-Süd-Kivu-Projekt. Er hat die Bauleitung, und wenn er am Morgen auf der Höhe über der Goldgräberstadt Kamituga das Kommando übernimmt über die etwa 20 Arbeiter, die dort an der größten Schule arbeiten, merkt man gleich: Da sind Autorität des Faches und Zuneigung, die eine Einheit bilden.

Neben Martin arbeitet sein Kollege Moritz Plassmann, der auch in den Bund derer eingetreten ist, die auf der Waltz sind. Der Bau der Schule in Mero Kamituga wächst stetig. Eine Familie aus einer protestantischen Gemeinde in Berlin hat allein aus eigener Kraft die Geldmittel für zwei ganze Gebäude bereitgestellt. Der Grund: Man war überzeugt von der Methode der Grünhelme und ihrem Verzicht auf jegliche festangestellte Bürokratie. Wir konnten jetzt am 3.März diese Gebäude mit einem entsprechenden Schild auf den Namen ECOLE NELSON MANDELA taufen.

Es gab ein harsches schlechtes Ereignis, das aber gleich wieder aufgewogen wurde. Dem Kassenwart der Grünhelme waren die Mittel für die Auszahlung des Wochenlohnes aus der Tasche gestohlen worden an dem Tag der Lohnauszahlung, genau 944.- US-Dollar. Daraufhin ruhte der Arbeitsbetrieb anderthalb Tage. Die Grünhelme machten ganz klar, dass sie das ihnen anvertraute Geld nicht einfach abschreiben können. Wir einigten uns mit den Arbeitern, dass diese jeweils auf 45.- US-Dollar in den nächsten beiden Monaten verzichten, um diese Summe wieder aufzufüllen.

 

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